Zum Glück fanden Felix und ich es nicht komisch zu einem Ehetraining zu gehen, obwohl bei uns gefühlt alles in Ordnung ist. Vor Beginn des Kurses wurde ja mehrfach angekündigt, dass sich der Kurs generell an alle Paare richtet, auch ohne große Probleme.
Das Ehetraining begann mit einem gemeinsamen Kinoabend in der Gemeinde. Gezeigt wurde der amerikanische Film „Fireproof“ in dem es um einen Feuerwehrmann geht, der versucht, seine Ehe zu retten. Anfangs tut er dies nur dem eigenen Vater zum Gefallen und entdeckt erst im Verlauf wieder seine Gefühle für seine Frau. Dabei stellt er fest, dass er zunächst mal ganz gehörig an sich selbst arbeiten muss.
Entgegen meinen Befürchtungen hat mir schon der Film sehr gut gefallen und ich war gespannt auf die sechs Abende Ehetraining, die im Anschluss an den Film stattfinden sollten.
Erfreulicherweise war die Nachfrage so groß, dass die Gruppe für das Training in zwei kleinere Gruppen geteilt werden musste, damit interaktives Arbeiten überhaupt möglich wurde.
Statt des zum Film gehörigen Trainings, hatte sich das Vorbereitungsteam für ein anderes Programm entschieden, welches jeden Sonntagabend 90 Minuten lang bearbeitet wurde.
Schon der vorbereitete Raum war sehr einladend und auf das „Paar sein“ ausgerichtet. Die Stühle im Kreis standen in Zweiergrüppchen, in der Mitte brannten Kerzen zwischen einer herzförmigen Dose und der Figur eines innig tanzenden Paares, es war für Süßigkeiten und Trinken gesorgt und auf den Stühlen lag für jeden Teilnehmer ein Herz aus Marzipan.
Unsere Gruppe wurde durch Frank Penno geleitet. Die Abende waren in unterschiedliche Elemente aufgeteilt. Es gab Gesprächsrunden in denen jeder Erfahrungen mitteilen konnte (vorher wurde mit allen Teilnehmern vereinbart Gespräche aus der Runde vertraulich zu behandeln), Arbeitsblätter die jeder für sich ausfüllen sollte, aktive Übungen mit dem eigenen Partner oder mit anderen Teilnehmern, eine Videosequenz zur Veranschaulichung, paarweise Gesprächsübungen in separaten Räumen und jede Menge Hausaufgaben.
Die Hausaufgaben betone ich so, weil sich hier bei den meisten schnell das Hauptproblem in Beziehungen überhaupt offenbarte: Der Zeitmangel. Es wurde vereinbart, dass man sich an einem Abend der Woche als Paar zusammensetzen sollte. In dieser sogenannten „Zeit zu Zweit“, für die alle Paare eigens eine dekorierte Kerze bekamen, waren Übungen als Paar vorgesehen. An jedem Kursabend zeigte sich bei der Besprechung der Hausaufgaben, wie schwierig es ist, sich als Paar Zeit zu nehmen. Überall drücken die vielen Termine, ist man müde vom Alltag oder wird zwischendurch unterbrochen (von Anrufen, Kindern,…). Ein wichtiger Lernschritt war also schon mal die Prioritäten zu überdenken und sich Raum füreinander zu schaffen.
In der Hauptsache ging es beim Ehetraining um den richtigen Umgang miteinander, um Kommunikation und Konfliktlösung.
Dazu wurden zwei Modelle zum gemeinsamen Gespräch erarbeitet. Sowohl beim Sprechen, als auch beim Zuhören mussten bestimmte Regeln eingehalten werden. Das war anfangs in der Umsetzung sehr sperrig und kompliziert. Im Laufe der Wochen und der Übungen zeigten sich aber durchaus die Vorteile, wenn es an schwierigere Themen ging, die ja jedes Paar kennt. Die Gesprächsformen helfen einer Eskalation vorzubeugen, zu verstehen was der Partner wirklich gemeint hat, beim Thema zu bleiben, nicht verletzend zu werden und Kompromisse zu finden.
Sehr hilfreich waren zur Beherrschung der Zettelflut die ausgeteilten Kursordner für jeden Teilnehmer und die Übersichtlichkeit und Aufteilung der Arbeitsblätter. So kann man auch ohne Kurs die Inhalte jederzeit nochmal auffrischen. Am Ende des Kurses wurde allerdings der Wunsch nach einer Fortsetzung oder Auffrischung des Ehetrainings laut, dem ich mich nur anschließen kann.
Der Kurs hat mir vom Inhalt und von der Aufbereitung sehr gut gefallen. Ich war erstaunt wie offen alle Teilnehmer von Ihren Erfahrungen berichtet haben und wie positiv die Gruppe sich gegenseitig unterstützt hat. Frank hat für mein Gefühl den Kurs durch Ermutigung und eigene Erfahrungen statt eines erhobenen Zeigefinger rund gemacht. Alles in allem haben Felix und ich 6 gute Abende verbracht und den Vorsatz mitgenommen – und bisher umgesetzt – den Sonntagabend als festen Gesprächstermin zu behalten.
Randi Heppner

