Israel ging es gut während der Regierungszeit Jerobeams um 760 v. Chr. Es hatte die Kontrolle über ein weites Gebiet an Handelswegen und erlebte dadurch einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. Eine reiche, im Luxus lebende Oberschicht bildete sich. Auch religiös schien in Israel alles gut zu laufen. Regelmäßige Gottesdienste, Opferzeremonien und Festtage wurden gefeiert. Die äußeren Umstände Israels schienen auf den ersten Blick alles andere als schlecht zu sein.
In mitten dieser Blütezeit Israels trat ein unbequemer Prophet auf: Amos. Er stimmte ein Klagelied über Israel an und mahnte die Israeliten: „So spricht der Herr: suchet mich, so werdet ihr leben.“. Was hatte das zu bedeuten?
Wenn man im Buch des Amos einmal weiter liest, dann erfährt man genaueres von den mahnenden Worten, die Gott durch seinen Propheten an das Volk Israel richtete und welche Missstände er aufdeckte. Sittlich und sozial ging es mit Israel Berg ab. Auch die Gottesdienste waren offenbar nur noch scheinfromme Veranstaltungen. Das Wiegen in Selbstsicherheit durch den plötzlichen Reichtum und die kriegerischen Erfolge schien die Israeliten von Gott entfernt zu haben. Andere Dinge waren nun in den Mittelpunkt ihres Lebens gerückt und nahmen (unbemerkt?) die Stellung Gottes ein.
Amos gab Gottes Ruf zur Umkehr an sein Volk weiter: „Suchet mich, so werdet ihr leben.“. Er ermahnte das Volk, wieder seinen wahren Gott zu suchen, der mehr als ein vorübergehendes äußerlich scheinbar luxuriöses Leben auf der Erde schenkt. Gott sollte wieder den Platz an erster Stelle bekommen.
Stehen wir heutzutage auch – ähnlich wie Israel damals – manchmal in der Gefahr, uns von Gott (unbemerkt) zu entfernen indem andere Dinge seinen Platz in unserem Leben einnehmen? Ich glaube schon. Wenn ich darüber Nachdenke, welche Dinge das sein könnten, dann fallen mir spontan folgende zwei ein.
Ein mögliches Beispiel ist unsere tägliche Arbeit. Der Beruf nimmt einen immer größeren Raum in unserem Leben ein durch immer steigende Anforderungen, sowohl fachlich als auch zeitlich. Oft drehen sich selbst nach Feierabend noch die Gedanken um die Ablage auf dem Schreibtisch und die ganzen E-Mails, die ich nicht mehr geschafft haben abzuarbeiten oder gar die Planung für das Meeting am nächsten Tag.
Bleibt da noch genug Zeit für Gott? Wie schnell verschieben sich da meine Prioritäten?
Ein weiteres Beispiel ist unser Konsumverhalten. Es wird immer aggressiver und raffinierter durch die Werbung beeinflusst, die sich dazu sämtlicher psychologischer Tricks bedient. Und dass, um uns weiß zu machen, warum es uns besser gehen würde, wenn wir bestimmte Produkte kauften. Dies tut sie, in dem sie unser Werteverständnis, unsere geheimen Sehnsüchte oder unsere Ängste mal offen und direkt, mal unterschwellig und versteckt versucht zu manipulieren.
Kann ich noch frei entscheiden was ich kaufe und weshalb ich es kaufe? Welchen Stellenwert hat mein Besitz und Konsum für mich? Definiere ich mich darüber?
Es gibt noch viele andere Dinge, die uns „heimlich“ und ohne, dass wir es sofort bemerken, langsam von Gott entfernen können indem sie unser Leben immer mehr bestimmen und prägen.
Wäre es nicht gut für uns von Zeit zu Zeit einmal zu prüfen, ob Gott wirklich noch den ersten Platz in unserem Leben hat? Bestimmt er noch mein Handeln und Denken? Oder gibt es Bereiche in meinem Leben, in denen ich mich neu auf Gott ausrichten muss?
Sicherlich mag es unbequem sein, sich dieser Frage zu stellen – Der Prophet Amos wurde damals wegen seiner Mahnungen und Prophetien sogar der Stadt verwiesen. Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, sich immer wieder darauf einzulassen und sich auf die Suche nach Gott zu begeben. Gott möchte, dass unser Leben gelingt.
Jan Fiedler


